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Galerien im Wandel

Immer häufiger machen Schlagzeilen über Galerieschließungen die Runde. Renommierte Häuser in Deutschland, Europa und den USA geben auf, während vielerorts vom "Galeriensterben" gesprochen wird. Doch ist das klassische Galeriemodell tatsächlich am Ende – oder erleben wir vielmehr einen tiefgreifenden Strukturwandel?


Elmgreen & Dragset, Oktober 2025. Foto: MASSIMODECARLO

 

Ein eindrucksvolles Bild dieser Entwicklung liefert das Künstlerduo Elmgreen & Dragset mit seiner Installation October 2025. Im Schaufenster der Pariser Galerie MASSIMODECARLO sitzt eine Galerieassistentin an einem Schreibtisch – den Kopf auf den Armen, scheinbar eingeschlafen. Das sonst verborgene Galeriebüro wird hervorgeholt und Teil der Ausstellung. Es macht die Menschen sichtbar, die den Kunstbetrieb täglich am Laufen halten. Die Arbeit thematisiert Erschöpfung, Sichtbarkeit, die Arbeitsbedingungen im Kunstbetrieb und wirft Fragen nach den Strukturen im Kunstmarkt auf.



Warum geraten Galerien unter Druck?

Die Ursachen sind vielfältig. Steigende Betriebskosten treffen auf sinkende Gewinnmargen, Messebeteiligungen werden immer teurer und wirtschaftliche Unsicherheiten führen zu einer zurückhaltenden Käuferschaft. Gleichzeitig verändern sich die Vertriebswege: Künstlerinnen und Künstler vermarkten ihre Werke zunehmend selbst über soziale Medien oder digitale Plattformen. Prints und Poster werden für Wohn-, Büro- und Empfangsräume eher gekauft als Kunstwerke. Hinzu kommen bürokratische Hürden, steuerliche Belastungen und ein Generationswechsel innerhalb der Galerielandschaft.

Dennoch erzählen diese Entwicklungen nicht die ganze Geschichte.


Mari Prete, My Love, 2019/2021. Foto: Michael Alisch



Neue Galerien entstehen

Für die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf geht die Kunsthistorikerin Katharina Wagner mit der Galerie Lukas-Larsen ins Gespräch. Die aktuelle Situation wird differenziert beschrieben:

Während etablierte Galerien schließen, gründen gleichzeitig junge Galeristinnen und Galeristen neue Räume für zeitgenössische Kunst. Ein Beispiel ist die Galerie Lukas-Larsen, die 2025 gegründet wurde.

Robin Lukas-Larsen steigt ein: „In einer Zeit, die von Schnelllebigkeit, Informationsflut und gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt ist, haben es auch Galerien nicht leicht. Dennoch hatte jede Generation ihre Hürden zu bewältigen. Für mich sieht die aktuelle Situation vor allem nach einem Generationswechsel aus – und danach, dass neue Wege gefragt sind.“

Für Pia Lukas-Larsen war die Gründung der eigenen Galerie trotz der schwierigen Rahmenbedingungen eine bewusste Entscheidung. Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie und geprägt durch ihre kunsthistorische Ausbildung sowie ihre langjährige Tätigkeit in Galerien und Auktionshäusern, möchte sie vor allem junge künstlerische Positionen sichtbar machen.

„Der Versuch selbst Verantwortung zu übernehmen, Ausstellungen zu kuratieren und junge Positionen erfahrbar zu machen, war für mich immer entscheidend. Natürlich stellt man sich die Fragen: Werden Besucherinnen und Besucher das annehmen? Entsteht Begeisterung? Werden Werke gekauft?“



Tradition bewahren – neue Wege gehen

Besonders prägend war für Pia Lukas-Larsen ihre lehrende Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Galeristen Hans Strelow.

"Ganz entschlossen, mit viel Achtung und Respekt gegenüber den Kunstschaffenden, den Sammlern und einem Feingefühl für passende Gelegenheiten hat er diesen Weg bis in hohe Alter verfolgt.

Mit der Aufforderung „Jetzt ist ihre Generation dran, Frau Lukas-Larsen“ war er es, der mich dazu ermutigte in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Auch im familiären Umfeld und Freundeskreis bin ich immer wieder mit Kunstschaffenden, Kreativen und vor allem zukunftsorientierten Menschen in Kontakt – die mich dazu ermutigen das Gelernte auf die heutige Zeit anzupassen und mit Ausstellungsprojekten an verschiedensten Orten Möglichkeiten zu schaffen, dass sich kunstinteressierte Besucherinnen und Besucher aktuellen Fragestellungen stellen können, die unsere Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken bearbeiten."


Gleichzeitig setzt die Galerie Lukas-Larsen bewusst auf ein zeitgemäßes Konzept. Statt eines dauerhaft angemieteten Galerieraums arbeitet sie hybrid, projektbezogen und mit Ausstellungen an wechselnden Orten.

„Wir haben bewusst keinen festen Standort gewählt. Das hält die Betriebskosten niedrig und ermöglicht uns eine flexible Arbeitsweise. Gleichzeitig entstehen mit jedem Ausstellungsort neue Begegnungen, neue Gespräche und daraus wieder neue Projekte.“

Den klassischen Galeriebetrieb ersetzt dieses Modell jedoch nicht vollständig. Vernissagen, kunsthistorische Vorträge, Messeauftritte sowie die Beratung privater und unternehmerischer Sammlungen bleiben feste Bestandteile der Arbeit.



Strukturelle Herausforderungen bleiben

Besonders kritisch werden die Rahmenbedingungen für Galerien in Deutschland gesehen:

„Deutschland macht es Selbstständigen nicht gerade leicht. Das Steuersystem, zusätzliche Abgaben wie die Künstlersozialabgabe und fehlende Fördermöglichkeiten erschweren vieles.“

Dennoch gibt es Möglichkeiten, kreative Lösungen zu finden – etwa durch Kooperationen mit Städten oder projektbezogene Förderungen und Sponsorings.



Wofür die Galerie Lukas-Larsen steht

Während viele Galerien ihre Programme über Künstlergruppen oder nationale Schwerpunkte definieren, verfolgt die Galerie Lukas-Larsen einen inhaltlichen Ansatz.

„Wir möchten Zukunftsfragen stellen: Wie wollen wir leben? Daraus ergeben sich Themen wie Naturwahrnehmung, gesellschaftspolitische Fragestellungen und ganz persönliche Existenzfragen.“

Diese Haltung verdeutlicht, dass Galerien weit mehr sind als Verkaufsräume. Sie schaffen Orte des Austauschs, eröffnen gesellschaftliche Diskurse und begleiten Künstlerinnen und Künstler langfristig auf ihrem Weg.

 

 

Wandel statt Galeriensterben

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich die Galerielandschaft zweifellos in einer schwierigen Phase befindet. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten und strukturelle Veränderungen stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Gleichzeitig entstehen neue Modelle, die flexibler, wirtschaftlicher und näher an den Bedürfnissen der Gegenwart arbeiten.

Galeriegründungen, wie die der Galerie Lukas-Larsen, beweisen, dass auch weiterhin an die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst geglaubt wird. Nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Qualität, persönliche Beziehungen und innovative Konzepte scheinen die Zukunft des Galeriewesens zu prägen.

Vielleicht erleben wir deshalb kein Galeriensterben – sondern die notwendige Transformation einer Branche, die sich genauso wie die Kunstschaffenden selbst, immer wieder neu erfinden musste und gerade darin ihre größte Stärke liegt.


 

 


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