Organische Spannung – Ein Gespräch mit Maike Eilers
- Robin Lukas-Larsen
- vor 2 Tagen
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Die Arbeiten von Maike Eilers bewegen sich zwischen organischer Form, farbarchitektonischer Präzision und einer abstrahierten Naturwahrnehmung. Ihre Werke wirken offen, durchlässig, fast atmend — und zugleich hoch konzentriert in ihrer inneren Struktur. In diesem Interview spricht die Künstlerin über Natur als Ausgangspunkt, über Farbe als architektonisches System, über das Spannungsverhältnis zwischen organischen und nonfigurativen Flächen, über die Unterschiede zwischen Zeichnung und Malerei und über die Zukunftsfragen, die ihre künstlerische Entwicklung prägen.
1. Natur als Ausgangspunkt
Frage: Deine Arbeiten wirken wie Ausschnitte einer abstrahierten Naturwahrnehmung. Welche Rolle spielt Natur als Ausgangspunkt in deinem Prozess?
Antwort von Maike Eilers: Ja, das stimmt. Ich arbeite mit Ausschnitten aus Fotografien, die ich selbst aufgenommen habe. Es sind Motive die mich in diesem Moment visuell angesprochen und inspiriert haben. Aus dem Foto wähle ich dann einen Ausschnitt. Im weiteren Prozess spielt das ursprüngliche Motiv jedoch zunehmend eine untergeordnete Rolle. Stattdessen interessieren mich einzelne Formen und Strukturen, die ich aus dem Bild herauslöse. Mit jedem Arbeitsschritt entferne ich mich weiter von der Vorlage und lasse Farbe, Formen und Materialien miteinander in einen Dialog treten.
2. Farbe als architektonisches System
Frage: Farbe scheint bei dir ein eigenes architektonisches System zu bilden. Wie entscheidest du, wann ein Farbraum „steht“?
Antwort von Maike Eilers: Zu Beginn entscheide ich mich für ein grundlegendes Farbgerüst, das den Ausgangspunkt für das Werk bildet. Während des Arbeitsprozesses kommen meist weitere Farbtöne hinzu. Dabei arbeite ich sehr intuitiv und reagiere spontan auf das, was im Bild entsteht. Wann ein Farbraum „steht“, lässt sich deshalb nicht klar festlegen, vielmehr ist es ein Gefühl dafür, dass die Farben miteinander in Balance sind und das Bild in sich stimmig wirkt. Klassische gestalterische Regeln versuche ich dabei nicht zu beachten.
3. Organische Formen und nonfigurative Flächen
Frage: Organische Formen treffen in deinen Werken auf nonfigurative Flächen. Wie entsteht dieses Spannungsverhältnis im Arbeitsprozess?
Antwort von Maike Eilers: Die organischen Formen entnehme ich meiner fotografischen Vorlage. Die nonfigurativen Flächen entstehen meist schon in einer frühen Phase des Bildes. Ich lege die Leinwand dabei häufig auf den Boden und arbeite mit unterschiedlichen Materialien wie Acrylfarbe, Lack, Pigmenten und Gouache. Diese Materialien reagieren aufeinander und erzeugen Strukturen und Spuren, die ich im Prozess aufgreife. Die Stellen, die mich besonders interessieren, lasse ich oft bewusst stehen oder arbeite sie gezielt weiter heraus, um sie stärker hervorzuheben. So entsteht das Spannungsverhältnis zwischen organischen Formen und freien, nonfigurativen Flächen.
4. Malerei und Zeichnung – zwei Herangehensweisen
Frage: Du arbeitest sowohl mit Malerei als auch mit Zeichnung. Welche Unterschiede empfindest du in der körperlichen oder emotionalen Herangehensweise?
Antwort von Maike Eilers: Die Herangehensweise ist im Grunde sehr ähnlich. Ausgangspunkt ist auch hier meist ein Ausschnitt aus einer Fotografie. Bei meinen Schwarz-Weiß-Arbeiten spielt die fotografische Vorlage vielleicht sogar eine noch größere Rolle. Dort interessieren mich vor allem Kontraste, Materialstrukturen und Bereiche, die im Hellen oder Dunklen verschwinden. Ich würde sagen, dass mich in der Zeichnung die Flächen stärker interessieren als die Form, während mich in der Malerei eher die Form anspricht. Mit Kohle und Kreide zu arbeiten fällt mir deutlich leichter. Dort habe ich eine klare Herangehensweise und weiß meist schon früh, wohin sich die Arbeit entwickeln soll und wie das fertige Bild aussehen wird. In der Malerei ist das anders, dort entsteht vieles erst im Prozess. Zu Beginn habe ich oft keine klare Vorstellung vom Endergebnis und lasse mich stärker von dem leiten, was während des Arbeitens auf der Leinwand entsteht. Daher ist der Prozess bei der Malerei intensiver, körperlich wie emotional.
5. Zukunftsfragen – Offenheit statt Perfektion
Frage: Deine Arbeiten wirken offen, durchlässig, fast atmend. Welche Zukunftsfragen beschäftigen dich aktuell in deiner künstlerischen Entwicklung?
Antwort von Maike Eilers: Ich beschäftige mich nach wie vor mit der Frage, wie sich Zeichnung und Malerei noch stärker miteinander verbinden lassen. Lange hatte ich das Gefühl, dass ich ein „perfektes“ Bild schaffen würde, wenn mir diese Verbindung technisch gelingt. Mittlerweile hat sich mein Blick darauf verändert. Es geht mir heute weniger um die Technik als um mein Interesse an der Fläche, daran, wie sie sich entwickelt, wie sie aufgebaut ist und welche Spannung in ihr entsteht. Im Moment interessiert mich besonders, wie viel ein Bild eigentlich braucht. Wie weit kann ich Formen reduzieren, ohne dass sie ihre Wirkung verlieren? Ich möchte meinen Arbeiten mehr Offenheit erlauben und dem Prozess vertrauen. Ziel ist für mich nicht mehr Perfektion, sondern eine Bildlösung, die stimmig ist und eine eigene Präsenz entwickelt.
Fazit
Maike Eilers’ Werk ist eine Einladung, Natur neu zu denken — nicht als Motiv, sondern als Ausgangspunkt für Transformation. Ihre organischen Formen, farbarchitektonischen Systeme und nonfigurativen Flächen treten in einen Dialog, der intuitiv, offen und voller Spannung ist. Dieses Interview zeigt eindrucksvoll, wie tief Maike Eilers in die Struktur der Natur eintaucht, um daraus etwas Neues zu schaffen: Bildwelten, die atmen, sich öffnen und eine stille, kraftvolle Präsenz entwickeln.
Weitere Informationen & verfügbare Werke
Mehr über die Künstlerin, ihre Werke und ihren künstlerischen Prozess finden Sie auf ihrer Website:
Ausgewählte Arbeiten von Maike Eilers sind zudem in unserer Online‑Galerie erhältlich:
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